Klimaneutrales Stadtquartier

in Esslingen am Neckar

Im schwäbischen Esslingen am Neckar wird das Gelände des alten Güterbahnhofs zum Forschungs-Stadtviertel: Bis 2022 entsteht hier das neue innovative Stadtquartier „Neue Weststadt“. Das Quartier wird klimaneutral, integriert die Nutzung von grünem Wasserstoff städtebaulich und soll damit einen jährlichen CO2-Ausstoß von unter 1 Tonne pro BewohnerIn für Wohnen und Mobilität erreichen.

Energiesparendes Wohnen

Klimaneutral mit Energie versorgen

Emissionsfreie Technologien

Ökologisch, effizient, sozial

Klimaquartier Neue Weststadt

Ein urbanes Konzept, das ressourcenschonendes und energiebewusstes Wohnen und Arbeiten vor Ort erlebbar macht. Zusätzlich hilft es, Erkenntnisse über eine zukunftsfähige, nahezu klimaneutrale Energieversorgung zu gewinnen und trägt auf diese Weise zur Energiewende bei. Die ersten Gebäude sind bereits fertiggestellt und klimaneutral vor Ort in Betrieb.

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Die Realisierung des klimaneutralen Quartiers ist ein wichtiger Baustein zur Erreichung der Klimaziele der Stadt.
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Foto Dr. Jürgen Zieger

Dr. Jürgen Zieger,
Oberbürgermeister der Stadt Esslingen am Neckar

Solares Bauen und die energieeffiziente Stadt

Mit der ressortübergreifenden Förderinitiative „Solares Bauen/Energieeffiziente Stadt“, im Rahmen des sechsten Energieforschungsprogramms der Bundesregierung, werden auf Quartiersebene Wege gesucht, wie bis zum Jahr 2050 das Ziel eines klimaneutralen Gebäudebestands erreicht werden kann. Aus mehr als 60 MitbewerberInnen wurde die „Neue Weststadt“ als eines von sechs Leuchtturmprojekten in Deutschland ausgewählt. Durch eine gemeinsame Förderung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) soll eine erfolgreiche Umsetzung und Begleitung des Vorhabens ermöglicht werden. Der Startschuss für das Projekt fiel im November 2017 – die Stadt Esslingen erarbeitet nun mit 13 PartnerInnen fünf Jahre lang vor Ort die Grundlagen für eine zukunftsfähige Energieversorgung eines klimaneutralen Stadtquartiers. Klimaneutral in die Zukunft.

Gebäude der Stadtwerke Esslingen nahe klimaneutrales Stadtquartier vor Weinbergen - klimaneutral Leben in der Stadt

Klimaschutz in der „Neuen Weststadt“ und in Esslingen

Auf dem Gelände der Neuen Weststadt in Esslingen am Neckar entsteht auf einer Fläche von 100.000 qm ein urbanes Vorzeigequartier mit 450 Wohnungen, Büro- und Gewerbeflächen sowie einem Neubau der Hochschule Esslingen. Im Rahmen des Forschungsvorhabens „Neue Weststadt – Klimaquartier“ soll dabei ein zukunftsfähiges Energiekonzept auf Quartiersebene umgesetzt werden. Die Realisierung eines klimaneutralen Quartiers ist wichtiger Baustein zur Erreichung der kommunalen Klimaziele der Stadt Esslingen. Bis 2020 sollen die CO2-Emissionen auf der Esslinger Stadtmarkung um ein Viertel reduziert werden. Ziel ist es, ein Stadtquartier zu errichten mit unter 1 Tonne CO2-Emissionen pro BewohnerIn und Jahr für Wohnen und Mobilität.

Kohlenstoffdioxid in Zahlen – was ist viel, was ist wenig?

Piktogramm Menschen

In Deutschland liegen die CO2-Emissionen pro Kopf aktuell bei 7,9 Tonnen pro Jahr (Jahr 2019).

Piktogramm Baum

Um 1 Tonne CO2 aufzunehmen, muss eine Buche ungefähr 80 Jahre lang wachsen.

Piktogramm Ölraffinerie

1 Tonne CO2 entspricht 400 Litern oder 2,5 Fässern Erdöl.

Piktogramm Auto

1 Tonne CO2 entspricht einer Fahrt von über 4.900 Kilometern mit einem Auto, das pro 100 Kilometer 8,5 Liter Benzin verbraucht. Das reicht für eine Reise nach Moskau – hin und zurück.

Piktogramm Flugzeug

Ein Flug von Frankfurt am Main nach Lissabon (hin und zurück) verursacht etwa 1 Tonne CO2 pro Person.

Warum 1 Tonne?

Um die nationalen Treibhausgas-Emissionen bis zum Jahr 2050 um 95 Prozent zu reduzieren und damit Treibhausgas-Neutralität herzustellen, wäre für Deutschland eine Pro-Kopf-Emission von 1 Tonne pro Jahr zu realisieren. Diese Zahl bezieht sich auf den gesamten Lebensbereich, d.h. neben Verkehr auch auf Energie, Konsum und Ernährung.

Aus Strom wird Wasserstoff

Kernstück des technologisch innovativen Stadtquartiers ist das energetische Versorgungskonzept, das eine Kopplung der Sektoren Strom, Wärme, Kälte und Mobilität vorsieht. Ein Elektrolyseur wandelt überschüssigen erneuerbaren Strom lokaler und überregionaler Erzeugung in „grünen Wasserstoff (H2)“ um und macht die Energie auf diese Weise speicherfähig. Wird später wieder Strom im Stadtquartier benötigt, lässt sich der Wasserstoff klimaneutral in Blockheizkraftwerken wieder schnell und einfach rückverstromen. Zur saisonalen Langzeitspeicherung und Dekarbonisierung des Gassektors wird der produzierte Wasserstoff zusätzlich in das Erdgasnetz der Stadt eingespeist. Darüber hinaus soll der lokal erzeugte Wasserstoff für die Nutzung in Industrie und Mobilität außerhalb des Quartiers bereitgestellt werden. Hierzu ist die Errichtung einer H2-Abfüllstation, einer H2-Tankstelle und einer Gasnetz-Einspeisestation im Quartier geplant.

Neue Weststadt aus der Vogelperspektive - Klimaquartier
Photovoltaik-Anlagen / Solar auf einer Dachfläche des Wohnblocks B im Klimaquartier - klimaneutral Wohnen und Arbeiten im Stadtquartier

Vernetzung von Strom, Wärme, Kälte und Mobilität

Das innovative Konzept wird erstmals als ganzheitliche Lösung im urbanen Kontext umgesetzt. Neben dem Ziel einer hohen erneuerbaren Eigenversorgung soll es die Gesamteffizienz des Energiesystems steigern. Hierzu wird die beim Elektrolyseprozess anfallende Abwärme in ein Nahwärmenetz eingespeist. Diese Infrastruktur deckt den Bedarf für Heizung und Warmwasser der Gebäude und ermöglicht es über das Einbinden von Adsorptionskälte-Anlagen, Kühlenergie im Sommer bereitzustellen. Zusätzlich wird der lokal erzeugte Photovoltaik-Strom klimaneutral für das Beladen von Elektro-Mobilen im privaten Bereich und für Carsharing-Fahrzeuge eingesetzt.

Integration der Nutzer

Um die BewohnerInnen im Quartier aktiv einzubinden, sind diverse Maßnahmen geplant: So soll z.B. eine App als Nutzerinterface entwickelt werden, um zeitnahe zielgerichtete Informationen zum Energieverhalten oder zu Tarifen zu erhalten. Die Akzeptanz und Beteiligung der verschiedenen Nutzergruppen ist ein wichtiger Baustein für den Erfolg und die Übertragbarkeit des Projekts. Um frühzeitig die Wünsche und die Zufriedenheit der BürgerInnen zu erfahren und zu integrieren, wird der Transformationsprozess auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände von einem sozialwissenschaftlichen Monitoring begleitet. Über geeignete Medien sollen die Erwartungen und Motive der BürgerInnen erfasst und beim Bau des Quartiers berücksichtigt werden. 

Blick vom Balkon einer Mieterwohnung - klimaneutral Wohnen im Stadtquartier Richtung Bahnhof Esslingen
Junges Paar im Innenhof eines Wohnblocks der Neuen Weststadt

Klimaneutral Wohnen und Leben im Quartier

Die bauliche Entwicklung der „Neuen Weststadt“ ist mit ihrer Größe von über 12 Hektar das bedeutendste Stadtentwicklungsprojekt der Stadt Esslingen am Neckar. Auf dem zentral gelegenen Gelände wird in den kommenden Jahren ein urbanes Quartier mit über 450 Wohnungen in Kombination mit Arbeitsplätzen, Nahversorgung, Grünflächen und einem Quartiersplatz entstehen. Diese vielfältige Nutzungsmischung sichert nachhaltig die Attraktivität und Funktionsfähigkeit des urbanen Geflechts aus modernen Arbeitsplätzen, attraktiven Wohnbereichen und vielfältigen Freizeitangeboten. Die Wohnblöcke B und C sind bereits erbaut und schon bewohnt.

Neubau der Hochschule

Klötzchen-Modell der neuen Esslinger Hochschule in Neue Weststadt Esslingen im klimaneutralen Stadtquartier
Computeranimation des Crystal Rock, modernes Bürogebäude in Neue Weststadt Esslingen im klimaneutralen Stadtquartier

Crystal Rock

Als Meilenstein bei der Entwicklung des Stadtquartiers gilt der „Crystal Rock“. Das moderne Büro- und Geschäftsgebäude soll die Tradition der Stadt, ihre Historie und ihre Zukunft widerspiegeln. Das außergewöhnliche und bautechnisch anspruchsvolle Gebäude wurde im Auftrag des Saarbrücker Investors RVI GmbH von MVRDV aus Rotterdam entworfen. Das niederländische Unternehmen gehört weltweit zu den erfolgreichsten Architekturbüros. Der Entwurf „Der Meilenstein – a Crystal Rock“ bildet die Grundlage für die Realisierung des „Blockes E“ im Klimaquartier in der Neuen Weststadt in Esslingen.

Wegweiser für künftige Projekte

Die Realisierung des Projekts geht mit technischen und gesellschaftlichen Innovationen einher. Gelingt die erfolgreiche Umsetzung aller Ideen, wird ein nahezu klimaneutrales und der Energiewende dienliches Stadtquartier entstehen, das lebenswert ist und so ein leuchtendes Vorbild für künftige Entwicklungsvorhaben und BürgerInnen-Beteiligungsprozesse in anderen Kommunen sein kann. 

Der Innenhof des Wohnquartiers in Block B im Sommer ist üppig begrünt, grüne Bäume und viele Pflanzen säumen die Wege und Plätze, blauer Himmel, ein einladender Ort mitten im Wohnblock.
Innenansicht einer modernen Wohnung in der Neuen Weststadt - klimaneutrales Stadtquartier

Sozialforschung und Monitoring

Die erfolgreiche Umsetzung des für die städtebauliche und ökologische Entwicklung der Stadt Esslingen wichtigen Projekts wird professionell durch ein technisches und sozialwissenschaftliches Monitoring begleitet.

Leuchtturm-Projekte Deutschland

Zu den geförderten Leuchtturm-Projekten in Deutschland gehören neben der „Neuen Weststadt“ in Esslingen die Projekte: „Quarree100“ in Heide, „Stadtquartier 2050 – Herausforderungen gemeinsam lösen“ in Stuttgart (Olgahospital) und Überlingen, „Pfaff“ – ehemaliges Werksgelände in Kaiserslautern, „ZED“ – Null-Emissions-Quartier in Zwickau und „ENaQ – Energetisches Nachbarschaftsquartier“ in Oldenburg.